Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit 

Vorgestern hat mich ein Medienvertreter angerufen und zum Thema „Wahlhelfer, Beisitzer und Vertrauenspersonen – ein Amt zwischen Frust und Euphorie“ interviewt. Das Gespräch hat mich nun zu diesem Blog-Eintrag inspiriert (Danke an Friedrich Müller von den OÖN).

Was sind die Fakten? Jede Partei darf Personen nominieren und tut dies auch. Aber ist es den Menschen ein Anliegen? Würden sie diesen Job auch machen, wenn es dafür kein Geld gäbe? Würden Menschen sich zur Verfügung stellen, die in keiner politischen Partei aktiv mit dabei sind? Wohl kaum!

Und ist es nicht auch Tatsache, dass die Politikverdrossenheit wächst und wächst? Natürlich ist die Politik selbst daran Schuld, keine Frage. Aber wenn niemand aufsteht, anpackt und verändert, dann wird das System immer zäher und noch weniger reformierbar.

Wir Mitteleuropäer rühmen uns unserer langjährigen demokratischen Kultur. Aber sind unsere Demokratien nicht schon am Vergehen, haben den Zenit überschritten?

Demokratie ist ein hohes Gut und für uns Österreicher und Österreicherinnen eine Selbstverständlichkeit. Wir vergessen allzu leicht, dass es Länder gibt, die noch sehr weit weg sind von demokratischen Zuständen. Und das sind nicht Regionen irgendwo im tiefsten Afrika, sondern Länder in denen manche von uns urlauben oder mit denen unsere Unternehmen gute Geschäfte machen. Ich nenne hier zum Beispiel die Türkei, die nur 2 Flugstunden entfernt ist, oder die vereinigten Arabischen Emirate. Aber nicht nur in den „Urlaubsländern“ haben wir besorgniserregende Tendenzen – nein auch innerhalb der EU. Ein Beispiel ist das Ungarn des Viktor Orbàn.

Die Probleme sind vielfältig, aber der Ursprung liegt sicher in unserer Sozialisation. Also im Umfeld, in dem wir aufwachsen. Die Jungen werden nicht genügend politisch erzogen. Unterrichtsfächern wie Politische Bildung, Geschichte oder Ethik wird nicht genügend Raum gegeben. Wir erziehen eine uninformierte, politisch uninteressierte und geschichtlich ungenügend gebildete Bevölkerung heran. Und da soll sich noch einer wundern, wenn rechte Gruppierungen mit einfachen Lösungen immer mehr punkten.

Meine Aussage in den OÖN „Wer in demokratischen Verhältnissen leben will, muss dazu auch was beitragen.“ ist um einen weiteren Satz zu ergänzen: „Die Gesellschaft muss danach trachten die Politik zu verändern, ansonsten wird die Politik die Gesellschaft verändern.“

Markus Hufnagl, NEOS Gemeinderat in Wels

Presseberichte dazu:

http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/wels/Ein-Amt-zwischen-Frust-und-Euphorie